Beim Spiegel, aber das weiß ich jetzt nicht aus sicherer Quelle, sollen sich die Redakteure in frühen Jahren ja hin und wieder Abends mit dem Ziel des Betrunkenwerdens getroffen haben, um neben leeren Gläsern und Flaschen auch noch Überschriften zu produzieren. Tolle Zeilen also, für die man dann nur noch die passenden Geschichten er- oder finden musste. So sei wohl "Mönche mögen's heiß" zu Stande gekommen, der be- oder getroffene Redakteur hat dann nur noch einen Ordensbruder finden müssen, der auf rosa Kutten steht oder sich heimlich eine Nonne gehalten hat. Das war wohl nicht so problematisch, pillepalle also. Aber wie gesagt: Ich weiß nicht, ob das stimmt. Nicht verklagen, ja?
Was definitiv stimmt: Diese Retro-Überschrift fiel mir gerade ein, als ich just dieses Wort in der neuen Ausgabe der Zeitschrift Tomorrow las. Nun ist das an sich schon eine ganz spezielle Sonderform der Contradictio in adjecto, wenn ein in die Zukunft gerichtetes Magazin das Gestern zum Trend er- oder verklärt. Das ganze Konzept ist diesbezüglich aber stimmig: der Print-Titel, der über Web 2.0 schreibt, aber einen Webauftritt hat, der vor Gericht vermutlich gute Chancen hätte, sich eine Waisenrente zu erstreiten.
Aber das nur so am Rande, auch wenn es Umbruch-technisch in der Mitte steht. Wollte ja eigentlich mit (Rück-)Blick auf die Überschrift nur die zuletzt arg in die Vergangenheit gewandte Musikschau wieder zukunftsfähig machen. Musik des Jahres 2006. Was der Kollege Blogwart im Tippeifer ganz vergaß war die Hymne an die dicken Klondikeln, eingespielt von Stephen Pattrick Morrissey, auch unter dem Album-Titel "Ringleader Of The Tormentors" geführt. Ich erwähne es nur, teile diese Ansicht aber nicht ganz ungeteilt. Meine Hochachtung spare ich mir lieber auf. Etwa für Stuart A. Staples, eigentlich ja elementarstes Element der Tindersticks, manchmal aber auch wieder solo. Seine "Leaving Songs" rechtfertigen fraglos die Investition in einen deckenhoch gefüllten Weinkeller, in einen schweren Ledersessel und in eine Stange Zigaretten (selbst als Nichtraucher). Ganz ruhig ist das, was für Abends, der Soundtrack für das Geräusch eines sich entzündenden Streichholzes, kitschig zwar auch, aber schön. Dann war 2006 auch noch Phantom/Ghost mit dem simplen Album "3". Und die großartigen Eels mit Live at Townhall. Live mit Orchester, Streichern und Witz. Hübsch. Und nur ein bisschen Retro.
Letzte Kommentare